Bundesbürger russlanddeutscher Herkunft

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Landsleute,

vor kurzem har mir Herr Dr. V. Krieger eine E-Mail mit der Präsentation seines neuen Buches zugeschickt und mich gebeten, diese an die mir bekannten Adressen zu versenden. Dieser Bitte komme ich gerne nach.

Vorerst möchte ich Ihnen aber einen Auszug aus der Einleitung des Buches zum Probelesen anbieten. Die Zusammenfassung der angesprochenen Kapitel der Geschichte der Russlanddeutschen unter diesem Blickwinkel setzt meiner Ansicht nach neue Akzente.

Freiheitsdrang und Widerstand

Nicht nur die Opfererfahrungen prägten das Verhalten der bedrängten Volksgruppe, sondern in nicht minderem Maße der unbändige Wille zur Freiheit und die Forderung nach Gleichheit. Als Reaktion auf unterschiedliche Arten von Diskriminierung und Verfolgung entstanden seit der bolschewistischen Machtübernahme vielfältige Formen der Verweigerung, des Protestes und Widerstandes, die sich von den bewaffneten Bauernrevolten der Jahre 1919-21 über den mutigen Versuch, Ende 1929 eine Massenauswanderung zu erzwingen (von der internationalen Öffentlichkeit als „Kolonistenaffäre“ bezeichnet), bis hin zu der religiösen Erweckungs-und der Autonomie- bzw. Ausreisebewegung der 1950er bis 1970er Jahre erstreckten. Vor allem die Emigrationsbestrebungen waren in all den Jahren ein deutliches Zeichen des nicht versiegenden Freiheitswillens der Deutschen des Landes, wodurch nicht zuletzt die ideologischen Säulen der sozialistischen Gesellschaftsordnung (Internationalismus, nationale Gleichberechtigung, Überlegenheit gegenüber kapitalistischer Länder in allen Bereichen etc.) in den Augen der sowjetischen Bevölkerung sowie auch im Ausland bloßgestellt wurden. Überdurchschnittlich viele Russlanddeutsche nahmen ab 1917 an verschiedenen Protestaktionen teil und trugen nicht unwesentlich zur Diskreditierung und letztendlich zum Zusammenbruch des Unrechtsstaates UdSSR bei. Ihr Ungehorsam und ihre Widersetzlichkeit waren eine ständige Herausforderung für die sowjetische Führungsschicht ebenso wie für die schweigend-konformistische Bevölkerungsmehrheit. Die an ihnen begangenen ungesühnten Verbrechen und die fortdauernden Benachteiligungen lösten bei einer zunehmenden Zahl von "Sowjetbürgern deutscher Nationalität“ einen inneren Entfremdungs-und Ablösungsprozess vom sozialistischen Staat aus.


Bundesbürger russlanddeutscher Herkunft: Historische Schlüsselerfahrungen und kollektives Gedächtnis

Präsentation von Dr. Viktor Krieger


Das Wissen über unsere besonderen historischen Erfahrungen, über die Gründe, weshalb man nach 250. Jahren zurück in das Ursprungsland, in die Urheimat Deutschland kommt und aus welchem Anlass der deutsche Staat diese Rückkehr ermöglicht(e), ist nicht nur unter der alteingesessenen Bevölkerung, sondern auch unten den Landsleuten oft, milde gesagt, ziemlich mangelhaft.

Deshalb möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf das unlängst erschienene Buch lenken, worüber bereits das VadW im Heft 8-9/2013 auf der S. 42 berichtete. Es handelt sich um das Werk „Bundesbürger russlanddeutscher Herkunft: Historische Schlüsselerfahrungen und kollektives Gedächtnis“, in dem zentrale Ereignisse der nationalen Geschichte im 20. Jahrhundert beleuchtet werden. Es erschien im Lit-Verlag (Berlin-Münster) als Band 1 der neuen wissenschaftlichen Reihe Geschichte, Kultur und Lebensweisen der Russlanddeutschen:

Lit verlag

Inhalt und Einleitung können hier eingesehen werden: Victor Krieger: Bundesbürger (Auszug)

Krieger_Bundesbuerger_Auszug_2013-1Viktor Krieger: Bundesbürger russlanddeutscher Herkunft. Historische Schlüsselerfahrungen und kollektives Gedächtnis. Berlin, Münster etc.: LIT-Verlag 2013, 272 S., gebunden, ISBN 978-3-643-12073-1. In diesem Buch werden identitätsstiftende Ereignisse der Geschichte der russlanddeutschen Volksgruppe im 20. Jh. ausführlich behandelt: neben der Schilderung von Verfolgungen, Deportationen, Zwangsarbeitslager, Diskriminierungen und Germanophobie wird das Augenmerk auf verschiedene Vormen von Widerstand und Protest gerichtet, EUR 29,90


Das Buch eignet sich meiner Meinung nach gut, der einheimischen Leserschaft den Einstieg in unsere Vergangenheit und Selbstverständnis zu gewähren. Wenn es dem Geschichtslehrer der eigenen Kinder oder dem Nachbarn, dem Kommunalpolitiker oder dem eignen Land- bzw. Bundestagabgeordneten geschenkt/überreicht wird, so könnte es einiges in ihrer Denk- und Handlungsweise bewirken. Angesichts von 2,5 Mio. russlanddeutschen Bundesbürgern verschiedener Generationen und der Tatsache, dass in vielen Gemeinden der Anteil der Schüler aus solchen Familien bereits im zweistelligen Bereich liegt, stößt die vielerorts noch zu beobachtende Ignoranz gegenüber ihrer lebensgeschichtlichen Erfahrungen auf immer größeres Unverständnis.

Es handelt sich vordergründlich um eine Sammlung von Aufsätzen und Artikeln, die seinerzeit in den Publikationen der Landsmannschaft erschienen sind. Durch Umarbeiten und das Versehen mit wissenschaftlichem Zitierapparat erlangen mehrere Beiträge eine neue Qualität. Auch für unsere Landsleute ist es bestimmt interessant, fundierte Aufsätze gesammelt unter zwei Deckel vorzufinden, umso mehr, weil der Band mit einem ausführlichen Personen- und Ortsregister, einem erläuternden Wörterverzeichnis und zahlreichen farbigen und schw.-w. Illustrationen versehen ist.

Ich bin mir sicher, dass es unserer gemeinsamen Sache dienlich sei, wenn der Autor bei einer Buchvorstellung oder Lesung, einem Diskussions- bzw. thematischen Vortrag, oder bei einer Bildungsveranstaltung bzw. Tagung, beim Seminar oder Vereinstreffen der Ortsgruppe der Landsmannschaft sein Werk und Wissen präsentieren könnte. Das Buch könnte bei Interesse bei mir erworben werden:

Für weitere Auskünfte und mögliche Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Viktor Krieger

Dr. Viktor Krieger, Lehrbeauftragter
am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte, ZEGK
Universität Heidelberg
Grabengasse 3-5
D-69117 Heidelberg

Quelle: Viktor Krieger

 
 
 
 

uafaneHilfe für die Ukraine

Die Stadt Leipzig bereitet sich auf die Ankunft von Menschen vor, die vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ihre Heimat verlassen müssen. Gemeinsam mit der Zivilgesellschaft wird die Hilfe für Menschen auf der Flucht ebenso wie für die Menschen in der Ukraine organisiert und koordiniert.

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